Der Sozialstaat, das Jugendamt und die Erziehung

München Vater-Rhein-Brunnen f Inschrift rechts

Man sollte meinen, dass es Kindern in Deutschland nicht schlecht gehen kann. Man sollte auch meinen, dass alle Entscheidungen zu ihrem Wohl getroffen werden.
Ich weiß, man hört täglich von misshandelten Kindern, von Jugendämtern die einfach wegschauen. Ich möchte das jetzt hier keineswegs runter spielen. Wie uns aber unsere Familienministerinnen – egal ob von der Leyen oder die Schröderin – versprachen, solle sowas nicht mehr vorkommen.

Nun ist es aber so, dass es auch in den Wohlstandsregionen – unter anderem München – Kinder gibt, welche ohne Frühstück in die Schule geschickt werden, weil alleinerziehende Mütter komplett überlastet sind. Und nun begibt es sich auch, dass eben jenes Kind gar vom Frühstücksangebot abgemeldet wird, weil der Kaffeeklatsch von Muttern mit ihren Freundinnen in München halt doch etwas mehr kostet als anderswo. Dies ist kein Verdacht, das ist Tatsache.

Hinzu kommt der Bildungsstatus dieses jenen Kindes. Es steht entsprechend schlecht um ihn. Er kann nicht richtig lesen, nicht schreiben, geschweige denn sprechen.  Anstatt das Angebot anzunehmen und das Kind zur Schülerhilfe zu schicken – welche von der Stiefmutter finanziert würde – schickt man das Kind zur Prüfung auf Rechtschreib- und Leseschwäche. Dabei stellte sich dann jedoch die Tatsache heraus, dass diese nicht feststellbar sei.

Weiterhin schockierend, die Position des Kindes als Spielball dem Vater gegenüber: Tanzt der Vater des Kindes nicht nach der Pfeife der Kindsmutter, wird ihm das Kind vorenthalten oder gar entzogen. Kindsmutter möchte mit ihren Freundinnen in den Urlaub, also muss Vater seinen Urlaub (13 Tage im ganzen Jahr) so einrichten, dass Kindsmutter auch wirklich fahren kann. Dass Vater seinen Urlaub aber für die Kinderkrippenzeit für den Nachkömmling aus zweiter Beziehung aufwenden muss, interessiert dabei nicht. Wichtig ist, dass Kindsmutter mit ihren Freundinnen in den Urlaub fliegen kann. Dann muss das Kind halt alleine zu Hause bleiben?!

Sicherlich meinen sie jetzt, ich fantasiere.

Zur Vorgeschichte:

Mein Partner brachte aus seiner letzten Beziehung einen Sohn (Dominic, 9) mit. Der lebt bei seiner Mutter, vor 5 Jahren ist noch eine Schwester dazu gekommen.
Wir hatten von Anfang an den Eindruck, das Dominic zu Hause nachteilig behandelt wird. Seine Mutter sagte auch immer, dass sie Mädchen immer lieber wollte, als einen Jungen.
Bevor Dominic in die Schule kam, waren wir das erste Mal beim Jugendamt. Das war vor 3,5 Jahren. Dabei versuchten wir einem gemeinsamen Gespräch, die Differenzen zu klären. Das jedoch klappte nur bedingt.
Die Kindsmutter benutzt das Kind überwiegend als Druckmittel, gibt ihn beispielsweise nicht raus, wenn mein Partner ihren Plänen nicht zu stimmt. Letztes Jahr dauerte es 4 Wochen, bis die zuständige Mitarbeiterin vom Jugendamt reagierte. Das sind 2 Wochenenden, an den Dominic nicht bei uns sein durfte.
Wir sind bisher mindestens 1x im Jahr beim Jugendamt gewesen, weil die Situation wieder eskalierte. Meistens haben wir dann aber den Eindruck, dass die zuständige Mitarbeiterin nicht genügend Zeit hat, sich um den Fall zu kümmern. Telefonate mit der Schule oder der Ärztin hat sie selten oder nie geführt, entgegen ihren Versprechungen uns gegenüber. Die Mutter fühlt sich so auf der sicheren Seite (auf der sie ohne Zweifel momentan auch ist), das sie permanent macht, was sie will und uns Steine in den Weg legt, wo sie nur kann.
Letzte Woche waren wir erneut auf dem Jugendamt, weil wir unbedingt das Aufenthaltsbestimmungsrecht für Dominic haben möchten, damit wir seine Entwicklung ein bisschen steuern können. Der Junge wird nicht ausreichend gefördert, kann immer noch nicht ausreichend lesen und schreiben. Ich wollte ihn zur Schülerhilfe schicken, hätte die auch finanziert. Aber das hat die Mutter abgelehnt. Für sie schien es einfacher, ihn auf eine Lese-, Rechtschreibschwäche testen zu lassen. Die liegt natürlich nicht vor.
Wir haben im März letzten Jahres ein gemeinsames Kind bekommen, mein Partner macht die Elternzeit, da ich einfach besser verdiene und wir so nicht auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Da er jetzt mehr Zeit hat, nimmt er auch häufig Termine mit seinem Sohn war. Begleitet ihn zum Sport, geht mit ihm zur Logopädin, etc.
Jetzt musste er ihn heute aus der Schule holen, weil der Junge noch Fieber hatte und sich übergeben hat. Die Mutter konnte wohl nicht kommen.
Was uns am meisten ärgert – die Mutter hat den Jungen in die Schule geschickt, obwohl sie von uns wusste, das er seit 2 Tagen Fieber hatte und wir ihr empfohlen hatten, mit ihm zu Arzt zu gehen. In der Schule erzählte die Lehrerin dann, dass Dominic zu Hause nicht frühstückt und von der Hausmeisterin ein Knäckebrot bekommen hat. In der Schule gibt es ein Frühstücksangebot, da hat die Kindsmutter Dominic zum Jahreswechsel aber abgemeldet. Wir wussten auch nicht, das die Mutter morgens schon aus dem Haus ist, wenn er zur Schule geht. Da mein Partner derzeit die Krippeneingewöhnung mit unserer Tochter macht, kann Dominic im Krankheitsfall nicht bei uns bleiben. Seine Mutter möchte aber nicht frei nehmen und lässt ihn alleine zu Hause.
Wir sind im Moment der Meinung, dass das Kindswohl mehr als gefährdet ist, haben aber das Gefühl, dass das Jugendamt uns nicht ernst nimmt, da auf die Gespräche selten bis nie Taten folgen.
Wir sind hilflos, wütend und traurig. Wir fühlen uns nicht ernst genommen. Und leider fehlt uns das nötige Kleingeld für einen Anwalt.

Wir wünschen uns nur Eines, dass Dominic endlich seine Kindheit genießen kann, dass wir angehört und ernst genommen werden. Wir wollen so gerne, das Domnic sich bei uns wohl fühlt!

Nein! Ich erlebe diese Katastrophe jeden Tag mit. Nicht ich persönlich bin betroffen. Meine Schwester.

Sie kämpft zusammen mit ihrem Freund seit geschlagenen 3,5(!) Jahren um das Sorgerecht des kleinen Jungen. Seit 3,5(!) Jahren ist das Jugendamt aber mit wichtigerem beschäftigt, als mit dem Wohl des Kindes. Viel wichtiger scheint es für das Jugendamt München zu sein, dass der Vater pünktlich zahlt. Und dass er genug zahlt. Und wenn er nicht zahlen kann, leiert das Jugendamt München Verfahren an, welche die neue Partnerin mit einbeziehen. Das Wohl des Kindes steht dabei jedoch völlig im Hintergrund, so hat man den Eindruck.

Warum sind alle der mittelalterlichen Ansicht, das Kinder bei ihren Müttern besser aufgehoben sind? Für die Mutter ist das ist im Prinzip ein Freibrief. Sie kann das Kind entziehen, sie kann alle Entscheidungen bzgl. der Erziehung / Bildung selbst treffen. Es fragt niemand nach der Meinung des Vaters. Der Vater existiert im Falle einer Trennung nur als Zahler, nicht mehr als Erziehungsberechtigter. Auch wenn ein geteiltes Sorgerecht vorliegt. Väter haben in Deutschland keinerlei Rechte, dafür Unmengen an unsinnigen Pflichten. Er zahlt Unterhalt, kann aber nicht nachprüfen, was die Mutter damit macht. Meiner Meinung können Väter auch hervorragend für Kinder sorgen. Und sie sollten die gleichen Rechte haben, wie die Mutter.

Was, frage ich mich, muss in diesem Land eigentlich noch passieren, bis Behörden und Staat wieder auf das Wohl seiner Bürger schaut? Was muss passieren, damit das oben genannte Kind endlich seine Kindheit genießen darf, wie es ihm zusteht? (Vor allem will er bei seinem Vater leben, allerdings wird dieser Wunsch des Kindes nicht beachtet. Laut Gesetz steht dem Kind dieser Wunsch erst mit 12 Jahren zu) Was muss passieren, damit den überforderten Erziehungsberechtigten solcher Kinder Einhalt geboten wird? Werte Familienministerinnen, was wurde denn aus ihren Versprechen? Werte Jugendämter, wann kommen Sie denn ihren Aufgaben nach?

Liebe Leserin, lieber Leser. Ich rufe hier nicht zu irgendeinem Spendenaufruf auf, ich möchte lediglich, dass die Öffentlichkeit Notiz von diesem Fall nimmt. Außerdem fordere ich das Jugenamt München auf, in diesem Fall endlich Verantwortung zu übernehmen und aktiv zu werden.  Teilen Sie diesen Beitrag via Twitter, Facebook, Google+ oder was auch immer.

Gerne stelle ich ihnen auch den persönlichen Kontakt her.

Ich bedanke mich bei ihnen.

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13 Gedanken zu “Der Sozialstaat, das Jugendamt und die Erziehung

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  2. Hendrik sagt:

    Solchen Personen sollte das Sorgerecht komplett entzogen werden…

    Eine erste Beratung bei einem Anwalt ist doch IMHO kostenfrei? Bzw. wenn das Einkommen nicht reicht für einen Anwalt gibt es doch immer noch die Möglichkeit der Prozesskostenhilfe? Ich würde an Stelle Deiner Schwester und ihres Mannes auf jeden Fall mal einen Anwalt aufsuchen und mich dementsprechend beraten lassen!

  3. Lieber Michael,

    was für eine scheußliche Geschichte! Der arme Bub. :(

    Ich frage mich jedoch ebenfalls: Haben Deine Schwester und ihr Mann noch keine anwaltliche Hilfe gesucht? Es wäre höchste Zeit, das offensichtlich überforderte Jugendamt nicht mehr als Partner, sondern als Gegner in dieser Sache zu sehen. Auch die Schule ist m.E. am Zug.

    Wenn das Geld für einen Anwalt nicht reicht, gibt es IMMER Wege, wie Hendrik schon schreibt.

    Ich wünsche dem Buben, dass ganz bald zu seinem Besten entschieden wird und er bei Papa und “Stiefmutter” (so ein blöd besetztes und hier gar nicht passendes Wort!) endlich zur Ruhe kommen kann.

    Auf Twitter werden bald ca. 5.000 Follower davon lesen. Vielleicht ist ja einer dabei, der die richtigen Beziehungen hat oder den besten Anwalt kennt oder, oder, oder.

    Betroffene Grüße
    Lilian

  4. Maria sagt:

    Hallo Lilian,
    Hallo Hendrik,
    ja, wir haben schon mehrfach die Hilfe eines Anwalts in Betracht gezogen. Wir haben uns auch schon von einem Anwalt beraten lassen, da das ja nichts kostet. Uns wurden für solche Prozesse 5-stellige Beträge genannt, die wir natürlich nicht auf der Tasche haben. Im Falle eines Prozesses könnten wir Prozesskostenbeihilfe beantragen. Aber sowohl der Anwalt, als auch eine Beratungsstelle für solche Fälle haben uns die Hoffnung genommen, diesen Prozess zu gewinnen, da viele Richter bzw. “Entscheider” immer noch der Meinung sind, das Kinder zu ihren Müttern gehören.
    Und realistisch betrachtet: das Jugendamt sitzt am längeren Hebel. Wenn wir uns das Jugendamt jetzt zum Gegner machen, sind unsere Chancen noch schlechter, das die was unternehmen.
    Hier mal der aktuelle Stand: Die Sachbearbeiterin sollte heute kontrollieren, ob der kranke Junge tatsächlich allein zu Hause ist, wie von der Mutter angedroht. Das hat sie natürlich nicht gemacht. Sie hat die Kindsmutter angerufen und mit ihr einen Termin zum Hausbesuch für den 17.02.12 gemacht.

    Liebe Grüße
    Maria

  5. Sie Mone sagt:

    Im Gegensatz dazu kann ich einen Fall aus Berlin nennen. Hier wurde einer Mutter kurzerhand das Kind durch das Jugendamt weggenommen, weil die Schwester der Mutter mit derem neuen Freund nicht einverstanden war und deshalb vorsätzlich falsch behautete, er hätte das Kind missbraucht.

    Engagement an der falschen Stelle.

  6. Hendrik sagt:

    Liebe Maria,

    als sich meine Ex-Frau Ende 2005 von mir trennte und mir offenbarte dass sie mit unserer Tochter zurück in den Norden ziehen will (über 600 km von hier entfernt), habe ich auch gekämpft und gewonnen. Auch wenn meiner Ex alle gesagt haben dass sie bestimmt gewinnt. Schliesslich hatte ich erst mal das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht und jetzt läuft alles rund. Sicherlich ein anders gelagerter Fall, aber ich glaube das heute nicht mehr alle Richter diese Denke haben und auch den Willen des Kindes berücksichtigen. Zurückzahlen muss man die PKH so oder so wenn das Einkommen wieder besser ist. Egal ob man gewinnt oder nicht. Und mein Verfahren hat mich trotz Revision vor dem Landgericht noch sehr sehr deutlich unter 10.000 Euro gekostet, inkl. Anwaltskosten. Und spielt Geld nicht letztendlich die geringste Rolle wenn es um das Kind geht?

    Und was das Jugendamt betrifft, wenn sich so lange durch vernünftiges Reden nichts tut, dann muss man irgendwann den Schritt wagen und vor Gericht gehen. Ihr geht ja gegen die Kindsmutter vor Gericht und nicht gegen das Jugendamt. Sicher, dass wird dann gezwungen mal etwas mehr zu arbeiten, aber zum Feind muss man es sich dadurch nicht zwangsläufig machen.

    LG
    Hendrik

  7. Hendrik sagt:

    P.S.: Habt ihr schon mal die Lokalpresse in München eingeschaltet?

    • Hallo Hendrik. Du gibst auf jeden Fall Hoffnung, in den “Kampf” zu ziehen.

      Was die Presse angeht, ist ganz witzig. Der Fall scheint nicht sensationell genug zu sein. Wir haben uns bereits an 3, 4 Pressestellen gewannt – bisher bekamen wir aber noch keine Antwort oder sahen keine Reaktion.

      Ich persönlich finde es traurig, dass solch ein Fall exisitert. Trauriger ist aber, dass dieser Fall keine Aufmerksamkeit erregt, wie die Profiländerungen bei Facebook oder das neue Design bei Twitter, wenn Du verstehst, was ich meine.

      Wir werden die Hoffnung aber nicht aufgeben und werden weiterkämpfen und kämpfen und kämpfen.

  8. Ein Vater sagt:

    Ich finde solche Fälle immer schwierig zu beurteilen ohne beide Seiten zu kennen.
    Es gibt einfach zu viele Menschen die falsche Behauptungen aufstellen ohne die eigentlichen Hintergründe zu kennen.
    Und auch Kinder denken sich eine Menge aus, wenn sie sich unter Druck gesetzt fühlen.

    Aktuell und wenn die Geschichte so stimmt, würde ich auch raten einen Anwalt zu nehmen und zu klagen.
    Sollte euch der Junge wirklich so wichtig sein (wovon ich natürlich ausgehe) sollte an dieser Stelle das Geld, bzw die Aussicht zu gewinnen, egal sein.
    Dann habt Ihr es immerhin versucht, richtig?

    Viel Erfolg.

  9. Sigrid Nagel sagt:

    Hallo Maria und Michael,

    Eure Kommentare haben mich sehr bewegt. Wenn das Jugendamt (inklusive Leitung) seinen Aufgaben nicht nach kommt würde ich Euch empfehlen einen Anwalt zu nehmen. Prozesskostenbeihilfe muß man nicht! zurück zahlen. Günstig ist auch eine Rechtschutzversicherung,welche nach drei Monaten Wartezeit greift.
    Ich persönlich würde mich mit diesem Problem an akte2012 wenden.
    Unter http://www.akte@akte.net könnt Ihr über den Notruf Kontakt aufnehmen.
    Die Sendung kommt jeden Dienstag abend auf SAT.1.
    Ich wünsche Euch viel Erfolg.

    Liebe Grüße Sigrid

    • Maria sagt:

      Hallo Sigrid,
      ja, wir werden uns jetzt auch einen Anwalt nehmen. Die Sachbearbeiterin vom Jugendamt hat ihre Versprechen wieder nicht eingehalten. Weder die Ärztin noch die Lehrerin hat sie in der versprochenen Zeit angerufen.
      Ich werde den Beitrag auf jeden Fall mal an Akte weiter leiten.
      Vielen Dank für den Tip!

      Liebe Grüße
      Maria

      • Sigrid Nagel sagt:

        Hallo Maria,
        ich hoffe Ihr findet bald Unterstützung. Akte wird sich sicher einschalten und das Problem öffentlich machen oder Euch wertvolle Tipps geben. Dominic und Euch muß schnell geholfen werden.

        Liebe Grüße Sigrid

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